{"id":349231,"date":"2026-06-24T16:42:07","date_gmt":"2026-06-24T16:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/publicsector.ch\/?p=349231"},"modified":"2026-06-24T17:26:41","modified_gmt":"2026-06-24T17:26:41","slug":"philipp-do-canto-wechselt-das-schreibformat-ein-austrittsgespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publicsector.ch\/en\/philipp-do-canto-wechselt-das-schreibformat-ein-austrittsgespraech\/","title":{"rendered":"Philipp do Canto wechselt das Schreibformat \u2013 ein Austrittsgespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach zehn Jahren tritt Philipp do Canto aus Public Sector Law aus. Er hat die Kanzlei 2016 gegr\u00fcndet und danach gemeinsam mit Esther Zysset und Anna Kuhn gef\u00fchrt. Bevor Philipp seine Sachen in die Kartonbox packt, haben sich Anna und Esther mit ihm auf ein letztes Gelato zusammengesetzt. Ein Austrittsgespr\u00e4ch, ausserhalb des Protokolls.<\/strong><\/p>\n<p>von <strong>Anna Kuhn, Esther Zysset, Philipp do Canto<\/strong><\/p>\n<p><em>Anna:<\/em> Fangen wir beim Interessantesten an, Philipp: Wir m\u00fcssen dich ziehen lassen, wohin geht es eigentlich? Ich stelle mir dich auf einem Segelt\u00f6rn vor und abends liest du endlich die Dissertation von Esther fertig.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Sagen wir es im KI-Sprech: Ein Segelt\u00f6rn mit einer Diss im Seesack w\u00e4re nicht nur ein Abenteuer \u2013 er w\u00e4re auch eine grosse Bereicherung. Tatsache ist, ich kann gar nicht segeln. Und die preisgekr\u00f6nte Walter-Hug-Diss von Esther harrt noch der vertieften Lekt\u00fcre, Asche auf mein Haupt! Meine Zukunft wird tats\u00e4chlich mit Text zu tun haben, mit alten B\u00fcchern, Kontext und Wissen. Die Anwaltschaft teilt sich ja ein in Leute, die st\u00e4ndig am Telefon sind, andere, die stets im Flugzeug sitzen, und wieder andere, die schreiben. Ich geh\u00f6re zur Kategorie der Schreiberlinge und will herausfinden, warum das so ist. Ihr beide bespielt bekanntlich auch eine vierte Kategorie: Ihr gebt euer Wissen oft in Seminaren und Workshops weiter.<\/p>\n<p><em>Esther:<\/em> Stimmt. Seminare sind eine gute Plattform f\u00fcr den fachlichen Austausch und die Sch\u00e4rfung der eigenen Gedanken am Feedback der Teilnehmenden. Sie bilden auch ein menschliches Gegengewicht zur grossen Dokumentenlast in unsern Mandaten. Letztlich sind es die Menschen, die die (rechtliche) Komplexit\u00e4t der Gesellschaft verstehen und das Recht umsetzen m\u00fcssen. A propos Dokumentenlast: ich stelle fest, dass du deine Einschreiben noch auf Papier einreichst.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Ich prozessiere ziemlich <em>old school<\/em>. Weniger aus Altersgr\u00fcnden, sondern aus einem leisen Misstrauen gegen\u00fcber digitalen Abl\u00e4ufen. Dass gewisse Institute eine elektronische Signatur schlicht nicht akzeptieren und stattdessen ein Papier zum Signieren retournieren, unterl\u00e4uft den digitalen Ansatz. Ich m\u00f6chte in ein Fahrzeug sitzen, das auch richtig f\u00e4hrt. Mit Justitia 4.0 und den elektronischen Verwaltungsverfahren im Kanton ist dann aber Schluss mit Papier. Ihr seid j\u00fcnger als ich. Seht ihr euch als Digital Natives und was macht das mit euch als Anw\u00e4ltinnen?<\/p>\n<p><em>Anna:<\/em> Auch als Digital Native bin ich zumindest privat kein Tech-Freak und versp\u00fcre teilweise eher den Drang zur\u00fcck zum Analogen, z.B. entstehen Ferienfotos mit einer \u00abneuen\u00bb uralten Minox. Im Berufsalltag besch\u00e4ftigt mich die Digitalisierung aber <em>non stop<\/em>. Doch selbst ein Vollblut im Datenrecht stellt fest, dass die Praxis dem Recht davonrennt. Die KI-Konvention des Europarats, die KI-Regulierungspl\u00e4ne in der Schweiz, die DSG, das totalrevidierte Z\u00fcrcher IDG und 26 Kantone, die nun herausfinden m\u00fcssen, wie man algorithmische Entscheide kennzeichnet, w\u00e4hrend alle drei Wochen ein noch st\u00e4rkeres Modell auf den Markt kommt. Aber diesen schnellen Wandel sind wir uns gewohnt und so bleiben wir wagemutig und hochkonzentriert bei der Sache. Hand aufs Herz Philipp, du ziehst die weisse Flagge vor der KI, die die Anw\u00e4lte \u00fcberfl\u00fcssig zu machen droht.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Au contraire, die KI w\u00e4re gerade ein Grund, um weiterzumachen. Die Arbeit ist unglaublich effizient geworden und irgendwie steht man st\u00e4ndig im Diskurs. KI hinterfragt mit soliden Verweisen auf die Praxis unsere grossen Gesetzeskommentare, die wir immer f\u00fcr unfehlbar hielten. Wenn ein Modell dir F\u00e4lle liefert, die f\u00fcr die Auslegung einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Bestimmung zentral, aber nicht im Kommentar aufgef\u00fchrt sind, wird es spannend. Pl\u00f6tzlich wird man zum Entdecker.<\/p>\n<p><em>Esther:<\/em> Ha, siehst du, das klingt ja gar nicht so <em>old school<\/em>. Und wisst ihr was? Die grundlegenden Fragen bleiben bestehen. Wenn die US-Administration eine bereits ver\u00f6ffentlichte KI verbietet oder wenn der Bund die sozialen Medien regulieren will, stellen sich ziemlich delikate grundrechtliche Fragen, bei der auch die KI noch ein bisschen menschliche Unterst\u00fctzung gebrauchen kann.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Mein Lieblingssatz aus Annas <a href=\"https:\/\/publicsector.ch\/en\/der-ki-lexomat-eine-unvollstaendige-liste-kantonaler-ki-regulierung\/\">KI-Lexomaten<\/a>: KI findet \u00abnicht im rechtsfreien Raum\u00bb statt. Das gilt f\u00fcr alles im \u00f6ffentlichen Sektor. Deshalb will ich in der kommenden Zeit auch Fragen nachgehen, wo es im Getriebe noch klemmt. Einfach nicht mehr als Vertreter von Beschwerdef\u00fchrenden, sondern als interessierter Beobachter. Den Staatsrechtler l\u00e4sst das Thema Gerechtigkeit nie ganz los.<\/p>\n<p><em>Anna:<\/em> Mein Anliegen bleibt, dass die Digitalisierung, trotz Entwicklung in Lichtgeschwindigkeit, nicht auf Kosten der Grundrechte geht. Transparenz, Nichtdiskriminierung, eine saubere Rechtsgrundlage. Klingt altmodisch, ist aber brandaktuell.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Ladies, lasst uns zum Schluss noch etwas gendern, schliesslich ist 2026. Ihr werdet nun zur reinen Frauenkanzlei, wenn der alte Weisse seinen Hut nimmt. Ich will es zwar nicht h\u00f6ren, aber vermutlich \u00e4ndert das schon etwas.<\/p>\n<p><em>Esther:<\/em> So richtig alt und weiss bist du dann auch wieder nicht. Und wir w\u00fcrden dich auch als Partnerin behalten. Unsere Kanzlei basiert auf dem Prinzip der Kollegialit\u00e4t und des gegenseitigen Respekts. Wir werden unsere offene Denkweise und Diskussionskultur weiterf\u00fchren, da spielt Gender keine besondere Rolle.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Was bleibt, und was kommt neu?<\/p>\n<p><em>Esther:<\/em> Es bleibt das gemeinsame Faible f\u00fcr knifflige Fragen des Verwaltungsrechts und des Datenrechts. Es kommt noch mehr an der Schnittstelle Staat und Digitalisierung, weiterhin Seminare, Vortr\u00e4ge, Blogposts und so viel Networking, wie es im vollen Alltag m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Anna: Und der KI-Lexomat bleibt eingeschaltet. Hinweise aus der Leserschaft weiterhin herzlich willkommen.<\/p>\n<p><em>Philipp:<\/em> Es klingt abgegriffen, aber ich \u00fcbergebe wirklich in beste H\u00e4nde. Es hat mich immer gefreut, zu sehen, wie es bei euch vorw\u00e4rts geht. Eure Power hat etwas Ansteckendes. Ich bin gespannt, wie es an der Zypresse, wie wir unser Office nennen, weiter geht.<\/p>\n<p><em>Anna:<\/em> Tausend Dank f\u00fcr alles! Ich finde grossartig und mutig, was du vorhast. Und eventuell schreibst du ja einmal einen Gastbeitrag f\u00fcr uns im Detector \u2013 falls wir uns dich leisten k\u00f6nnen. Und wenn du aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden wieder in die Juristerei zur\u00fcckwillst, weisst du ja, wo du uns findest.<\/p>\n<p><em>Esther:<\/em> Danke f\u00fcr alles, Philipp, wir werden dich vermissen und zumindest ich werde dich auch in Zukunft immer einmal anrufen, um mit dir die eine oder andere verfahrenstaktische Frage zu zerlegen und so weiterhin auf freundschaftlichem Wege von deiner grossen Erfahrung zu profitieren.<\/p>\n<p><em>Image credit: Unbearbeitetes Android-Selfie von PdC<\/em><\/p>\n<p><em>Blogposts direkt in die Inbox erhalten? <a href=\"https:\/\/web.swissnewsletter.ch\/e\/8701c9de30ebc427\/de\/form\/ec3745ce-01ea-47b1-b7bc-e83ee5822084.html\">HIER<\/a> k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr unseren Newsletter anmelden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zehn Jahren tritt Philipp do Canto aus Public Sector Law aus. Er hat die Kanzlei 2016 gegr\u00fcndet und danach gemeinsam mit Esther Zysset und Anna Kuhn gef\u00fchrt. 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