{"id":349096,"date":"2026-01-14T17:15:51","date_gmt":"2026-01-14T17:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/publicsector.ch\/?p=349096"},"modified":"2026-01-15T07:19:18","modified_gmt":"2026-01-15T07:19:18","slug":"faehrt-der-digitale-omnibus-auch-in-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publicsector.ch\/en\/faehrt-der-digitale-omnibus-auch-in-die-schweiz\/","title":{"rendered":"F\u00e4hrt der digitale Omnibus auch in die Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der digitale Omnibus ist kein Fahrzeug im herk\u00f6mmlichen Sinne, sondern ein Transportmittel f\u00fcr Gesetze. Die EU-Kommission hat dieses \u00abGef\u00e4hrt\u00bb Ende 2025 vorgestellt und schickt es nun zur \u00abProbefahrt\u00bb (ins Gesetzgebungsverfahren). Ihr Ziel ist es, das europ\u00e4ische Digitalrecht zu vereinfachen und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu f\u00f6rdern. Wir gehen der Frage nach, welche potenziellen Auswirkungen dieses Gesetzgebungspacket auf die \u00f6ffentliche Verwaltung in der Schweiz haben k\u00f6nnte.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>von <strong>Matthias Plattner <\/strong>und <strong>Esther Zysset<\/strong><\/p>\n<h4>Was ist der digitale Omnibus?<\/h4>\n<p>Wenn die Leserschaft bei einem Omnibus an einen grossen, gelben Bus mit lauten Fahrg\u00e4sten und einem st\u00e4ndig hupenden Fahrer denkt, liegt sie in den meisten F\u00e4llen richtig. Hier ist jedoch ausnahmsweise etwas anderes gemeint: Beim sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Omnibusverfahren\">Omnibus-Gesetzgebungsverfahren<\/a> werden mehrere \u00c4nderungsanliegen in einem Gesetzesentwurf vereint und aufeinander abgestimmt. Es ist also eher ein gemeinsames Transportmittel f\u00fcr Gesetze als f\u00fcr Menschen. Um einen solchen Omnibus, den sog. \u00abdigitalen Omnibus\u00bb der EU-Kommission, geht es hier. Die EU-Kommission will damit <a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/library\/digital-omnibus-regulation-proposal\">\u00dcberschneidungen beseitigen, Regelungen vereinfachen und so die Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00f6rdern<\/a> \u2013 ohne gleichzeitig den Grundrechtsschutz zu schw\u00e4chen. Betroffen davon sind der Data Act, der AI Act und die DSGVO sowie diverse weitere EU-Rechtsakte.<\/p>\n<p>Der digitale Omnibus ist aber noch nicht einsatzbereit und steht noch in der Garage. Der Vorschlag der EU-Kommission ist der erste Schritt im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren der EU (Art. 289 i.V.m. 294 <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=celex%3A12016ME%2FTXT\">AEUV<\/a>). Nun wird der Omnibus auf die Probefahrt ins EU-Parlament und den EU-Rat geschickt.<\/p>\n<p>Nachfolgend gehen wir der Frage nach, welche der \u00c4nderungen einen regulatorischen Anpassungsbedarf im \u00f6ffentlichen Sektor in der Schweiz mit sich bringen k\u00f6nnten, sollten sie in der vorliegenden Form beschlossen werden.<\/p>\n<h4>Hat der digitale Omnibus Auswirkungen auf den \u00f6ffentlichen Sektor in der Schweiz?<\/h4>\n<p>Wer sich mit dem europ\u00e4ischen Recht auskennt, weiss, dass gewisse EU-Rechtsakte auch extraterritorial Anwendung finden k\u00f6nnen, beispielsweise die DSGVO oder der AI Act. W\u00e4hrend dies international t\u00e4tige Schweizer Unternehmen regelm\u00e4ssig betrifft, <a href=\"https:\/\/publicsector.ch\/en\/der-eu-ai-act-relevant-fuer-den-oeffentlichen-sektor-in-der-schweiz\/\">sind die Anwendungsf\u00e4lle im \u00f6ffentlichen Sektor seltener<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Anpassungsbedarf k\u00f6nnte sich in unserem Land allenfalls dort ergeben, wo sich die Schweiz v\u00f6lkerrechtlich verpflichtet hat, \u00c4nderungen im EU-Recht zu \u00fcbernehmen. Namentlich im Bereich des <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2008\/113\/de\">Schengen-Assoziierungsabkommens<\/a> (\u00abSAA\u00bb) \u00fcbernimmt die Schweiz als Schengen-Mitglied \u00c4nderungen von EU-Rechtsakten, die zum sog. Schengen-Besitzstand (auch \u00abSchengen-Acquis\u00bb) geh\u00f6ren. Im Rahmen des digitalen Omnibus k\u00f6nnte es zu \u00c4nderungen bei der folgenden Richtlinie kommen:<\/p>\n<h4><strong>Richtlinie (EU) 2016\/680 (Schengen)<\/strong><\/h4>\n<p>Diese <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/de\/ALL\/?uri=CELEX%3A32016L0680\">Richtlinie<\/a> regelt den Schutz nat\u00fcrlicher Personen bei der Bearbeitung personenbezogener Daten durch die Strafverfolgungs- und Strafvollstreckungsbeh\u00f6rden. Sie wird nicht direkt bei den anzupassenden Gesetzen genannt, allerdings h\u00e4lt die EU-Kommission fest, dass auch diese Richtlinie, als \u00abSchwester-Erlass\u00bb zur DSGVO, entsprechend den \u00c4nderungen der DSGVO angepasst werden soll, um einen koh\u00e4renten Datenschutzrahmen zu schaffen (<a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/library\/digital-omnibus-regulation-proposal\">Proposal for Regulation on simplification of the digital legislation<\/a>, Rz. 43).<\/p>\n<p>Insbesondere die folgenden geplanten \u00c4nderungen der DSGVO d\u00fcrften betroffen sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Pr\u00e4zisierung der Definition personenbezogener Daten sowie Klarstellung des Begriffs der Gesundheitsdaten: beide sollen gegen\u00fcber der aktuellen Situation leicht eingeschr\u00e4nkt werden<\/li>\n<li>Zul\u00e4ssigkeit der Bearbeitung besonderer Kategorien von Personendaten f\u00fcr die Entwicklung und den Betrieb von KI zur Erkennung und Korrektur von Bias<\/li>\n<li>\u00c4nderungen bei der Meldepflicht bei Sicherheitsverletzungen:\n<ul>\n<li>Verl\u00e4ngerung der Meldefrist auf 96 Stunden<\/li>\n<li>\u00abSingle Entry Point-System\u00bb, wodurch Meldepflichten aus verschiedenen EU-Rechtsakte (NIS2-Richtlinie, DSGVO, DORA etc.) gleichzeitig erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Gesamteurop\u00e4isch einheitliche Negativlisten f\u00fcr Bearbeitungen, die keine Datenschutz-Folgenabsch\u00e4tzung erfordern<\/li>\n<li>Verweigerungsrecht bei offensichtlich zweckwidrigen oder missbr\u00e4uchlichen Auskunftsbegehren<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die von der EU-Kommission publizierten Dokumente \u00e4ussern sich nicht \u00fcber eine allf\u00e4llige Weiterentwicklung der des Schengen-Besitzstandes. Die EU ist gem\u00e4ss Art. 7 Abs. 2 SAA verpflichtet, die Schweiz \u00fcber eine solche Weiterentwicklung zu notifizieren. Ohne eine solche Notifikation seitens der EU ist die Schweiz nicht zu einer \u00dcbernahme der \u00c4nderungen aus dem einmal strassent\u00fcchtigen digitalen Omnibus aufgefordert. Es steht ihr aber nat\u00fcrlich frei, selbst\u00e4ndig Gesetzesanpassungen vorzunehmen oder ihr eigenes Datenschutzrecht m\u00f6glichst einheitlich mit der DSGVO auszulegen, um den rechtsanwendenden Personen die Arbeit zu erleichtern.<\/p>\n<p>Der Omnibus hat damit nat\u00fcrlich nicht die Schweiz zum Ziel, er wird aber ziemlich sicher irgendwo an der Grenze noch einen Halt einlegen. Eine schweizerische Angleichung an die geplanten \u00c4nderungen im Datenschutz, entweder via Schengen oder auf informellerem Wege, wird daher auch den \u00f6ffentlichen Sektor betreffen.<\/p>\n<p><em>Blogposts direkt in die Inbox erhalten? <a href=\"https:\/\/web.swissnewsletter.ch\/e\/8701c9de30ebc427\/de\/form\/ec3745ce-01ea-47b1-b7bc-e83ee5822084.html\">HIER<\/a> k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr unseren Newsletter anmelden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bild: Azzedine Rouichi auf Unsplash<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der digitale Omnibus ist kein Fahrzeug im herk\u00f6mmlichen Sinne, sondern ein Transportmittel f\u00fcr Gesetze. Die EU-Kommission hat dieses \u00abGef\u00e4hrt\u00bb Ende 2025 vorgestellt und schickt es nun zur \u00abProbefahrt\u00bb (ins Gesetzgebungsverfahren). Ihr Ziel ist es, das europ\u00e4ische Digitalrecht zu vereinfachen und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu f\u00f6rdern. 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