{"id":349007,"date":"2025-10-22T15:41:11","date_gmt":"2025-10-22T15:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/publicsector.ch\/?p=349007"},"modified":"2025-11-05T14:25:46","modified_gmt":"2025-11-05T14:25:46","slug":"digitalisierung-im-gesundheitswesen-epische-projekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publicsector.ch\/en\/digitalisierung-im-gesundheitswesen-epische-projekte\/","title":{"rendered":"Digitalisierung im Gesundheitswesen: Epische Projekte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Schweizer Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung voran, wenn auch gem\u00e4chlich. Optimierungen im Datenaustausch sollen die Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern f\u00f6rdern und die Gesundheitsversorgung st\u00e4rken. Bei der Umsetzung sind indes H\u00fcrden zu \u00fcberwinden, die vom Datenschutz \u00fcber lange Beschaffungsprozesse bis zur fehlenden Teilnahme der Bev\u00f6lkerung reichen. Ein \u00dcberblick.<\/strong><\/p>\n<p>von <strong>Philipp do Canto <\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz hat nach wie vor eine sehr hochstehende Gesundheitsversorgung, paradoxerweise hinken wir aber mit der Vernetzung und bei der Dateninfrastruktur hinterher. Anstehende Grossprojekte mit massiven Investitionen sollen dies \u00e4ndern. Dieser Post liefert einen \u00dcberblick zu aktuellen Entwicklungen im breiten Feld der Gesundheitsdigitalisierung. Er enth\u00e4lt Links zu Beitr\u00e4gen oder zu Projekten im Schweizer Gesundheitswesen. Klicken Sie daf\u00fcr auf die kursiv gedruckten Passagen.<\/p>\n<h4>Elektronisches Patientendossier (EPD): Live, aber nicht lebendig.<\/h4>\n<p>Die Mutter aller Digitalisierungsprojekte ist das nationale elektronische Patientendossier EPD. Als w\u00e4re das Vorhaben nicht schon komplex genug, wurde es noch durch die Corona-Pandemie erschwert, so dass die Einf\u00fchrung des EPD im Jahr 2022 von der \u00d6ffentlichkeit praktisch nicht wahrgenommen wurde. Per August 2025 waren etwas mehr als <a href=\"https:\/\/www.e-health-suisse.ch\/koordination\/elektronisches-patientendossier\/aktueller-stand\"><em>120&#8217;000 Dossiers<\/em><\/a> er\u00f6ffnet, gemessen an der Bev\u00f6lkerung ein bescheidener Wert. Anlasten kann man dies nicht allein den Anbietern des EPD, sondern auch den Patienten, die nur laues Interesse zeigen. Ebenfalls noch in Entwicklung ist die Anbindung diverser Leistungserbringer ans System.<\/p>\n<h4>Krankenhausinformationssysteme (KIS): Epische Prozesse<\/h4>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.usz.ch\/kis\/\"><em>Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich USZ<\/em><\/a> hat im August 2025 den Zuschlag f\u00fcr ein neues KIS f\u00fcr 10 Jahre an die amerikanische IT-Firma Epic Systems erteilt. Gegen den Zuschlag mit einem Vergabewert von rund 95 Millionen Franken erhob eine Mitbieterin Beschwerde. Zudem reichte eine Reihe von Z\u00fcrcher Kantonsr\u00e4tinnen und -r\u00e4ten <a href=\"https:\/\/www.it-markt.ch\/news\/2025-09-24\/update-kis-zuschlag-des-unispitals-zuerich-stoesst-auf-widerstand\"><em>eine Interpellation<\/em><\/a> ein, die sich kritisch mit dem US Cloud Act und Datenschutzfragen auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Beim Kispi, dem Kinderspital der Z\u00fcrcher Eleonorenstiftung, ist die Lage noch verworrener. Eine Beschwerde gegen die KIS-Vergabe an Epic Systems wurde zwar zur\u00fcckgezogen, aber eine Beschaffung kann infolge der <a href=\"https:\/\/www.zh.ch\/bin\/zhweb\/publish\/regierungsratsbeschluss-unterlagen.\/2025\/943\/RRB-2025-0943.pdf\"><em>angespannten Finanzlage<\/em> <\/a>zurzeit nicht realisiert werden.<\/p>\n<p>Ennet dem R\u00f6stigraben sieht es nicht anders aus. Das Waadtl\u00e4nder Universit\u00e4tsspital CHUV in Lausanne und die angegliederten Regionalzentren setzen offenbar ebenfalls auf eine Zusammenarbeit mit der genannten US-Anbieterin. Dort geht es im Prozess aber um die \u00f6ffentliche Ausschreibung selbst und nicht um den Zuschlag: Man steht quasi auf Feld 1. Im Januar hat das Kantonsgericht die Beschwerde einer Mitbewerberin abgewiesen. Das Argument der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer Einheitsl\u00f6sung f\u00fcr alle kantonalen Spit\u00e4ler \u00fcberzeugte die <a href=\"https:\/\/jurisprudence.vd.ch\/scripts\/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=\/scripts\/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=7001&amp;Parametername=WWW_V4&amp;Schema=VD_TA_WEB&amp;Source=search.fiw&amp;Aufruf=getMarkupDocument&amp;cSprache=FRE&amp;nF30_KEY=184575&amp;W10_KEY=10235550&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=search\/standard\/results\/document.fiw\"><em>Verwaltungskammer des Kantonsgerichts<\/em><\/a> nicht.\u00a0 Seit Februar ist der Fall vor Bundesgericht h\u00e4ngig. Dieses hat mit einem Zwischenentscheid die <a href=\"https:\/\/www.netzwoche.ch\/news\/2024-11-15\/waadtlaender-unispital-legt-kontroverse-kis-beschaffung-auf-eis\"><em>Fortsetzung der Ausschreibung<\/em><\/a> vorl\u00e4ufig gestattet.<\/p>\n<h4>Berner Gesundheitsplattform: Die politische Debatte geht live<\/h4>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.derbund.ch\/kanton-bern-epic-fuer-alle-oeffentlichen-spitaeler-526788127211\"><em>Kanton Bern l\u00e4uft ein Gesetzgebungsprojekt<\/em><\/a>, mit dem alle regionalen Spit\u00e4ler an eine kantonale Gesundheitsplattform unter der \u00c4gide des Inselspitals angeschlossen werden sollen. Im Sommer 2025 wurde der Entwurf in die Vernehmlassung geschickt, der dem Regierungsrat die Kompetenz geben w\u00fcrde, Spit\u00e4ler mit Mehrheitsbeteiligung des Kantons zum Anschluss an die Gesundheitsplattform zu verpflichten. Die Kosten f\u00fcr den Aufbau werden auf 11 Millionen Franken gesch\u00e4tzt, hinzu kommen Migrationskosten.<\/p>\n<p>Die Plattform selbst soll bei der genannten US-Firma bezogen werden. Eine gesetzlich verordnete Beschaffung macht indes einen Bieterwettbewerb obsolet. In der k\u00fcrzlich <a href=\"https:\/\/www.gsi.be.ch\/de\/start\/ueber-uns\/generalsekretariat\/rechtsabteilung\/laufende-rechtsetzungsverfahren.html\"><em>abgeschlossenen Vernehmlassung<\/em> <\/a>werden daher trotz grunds\u00e4tzlicher Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Digitalisierung des Berner Spitalbereichs <a href=\"https:\/\/ig-ehealth.ch\/2025\/09\/23\/vernehmlassungseingabe-teilrevision-spvg-kt-be\/\"><em>auch Bedenken<\/em><\/a> ge\u00e4ussert (Offenlegung: Public Sector Law war teilweise in die Vernehmlassung involviert).<\/p>\n<p>Die Entwicklungen in den Kantonen Bern, Waadt und Z\u00fcrich vermitteln eine Vorstellung von den Diskussionen, die in anderen Kantonen und Zentren zu KIS oder Vernetzungsprojekten gef\u00fchrt werden. Im Fazit l\u00e4uft ein epischer Streit zwischen den grossen Versorgern, die die amerikanische Anbieterin bevorzugen und der Schweizer Wirtschaft und Politik, die den fehlenden Wettbewerb und die Datensicherheit in Frage stellen.<\/p>\n<p>Ausnahmen sind die Kantone Genf und Wallis, die an ihren Unispit\u00e4lern ein <a href=\"https:\/\/www.ictjournal.ch\/articles\/2024-05-29\/premiere-en-suisse-deux-hopitaux-co-developpent-un-systeme-dinformation\"><em>eigenes KIS namens DPI+<\/em><\/a> (Dossier Patient Int\u00e9gr\u00e9 Plus) eingef\u00fchrt haben. Die Eigenentwicklung soll die Unabh\u00e4ngigkeit von privaten Anbietern st\u00e4rken, strategische wirtschaftliche Kontinuit\u00e4t gew\u00e4hrleisten und den Datenschutz verst\u00e4rken.<\/p>\n<h4>DigiSant\u00e9: Die grosse Aufholjagd<\/h4>\n<p>Ein weiteres Schl\u00fcsselprojekt ist das <a href=\"https:\/\/www.bag.admin.ch\/de\/digisante-foerderung-der-digitalen-transformation-im-gesundheitswesen\"><em>Nationale Programm zur F\u00f6rderung der digitalen Transformation im Gesundheitswesen DigiSant\u00e9<\/em><\/a>. Mit einem Verpflichtungskredit von 392 Millionen Franken f\u00fcr 10 Jahre von 2025 bis 2034 umfasst es zahlreiche Projekte in vier Bereichen: Interoperabilit\u00e4t (einheitliche Standards), Infrastruktur, digitale Beh\u00f6rdenangebote sowie Planung und Forschung. Allen Projekten ist gemeinsam, dass sie den R\u00fcckstand der Schweiz bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens aufholen sollen.<\/p>\n<p>Im Mai 2025 wurde das strategische Branchengremium von DigiSant\u00e9 mit 43 Organisationen aus dem Gesundheitswesen eingesetzt. Das Gremium wird zuhanden des Bundesrats Empfehlungen abgeben, wie einzelne Projekte aufeinander abgestimmt und priorisiert werden sollen. Es ist zu hoffen, dass das Programm trotz der auch<em> <a href=\"https:\/\/www.netzwoche.ch\/news\/2025-09-08\/digisante-der-etwas-andere-blick\">kritisch<\/a> betrachteten <\/em>Gr\u00f6sse des Branchengremiums rasch erste Resultate pr\u00e4sentieren kann.<\/p>\n<p>Mit geringeren Budgets, aber vergleichbaren Zielen laufen zurzeit auch kantonale Bestrebungen. Als Beispiel sei <em>eBeGE<\/em> genannt, die <a href=\"https:\/\/login.services.zh.ch\/?Location=https:%2F%2Fhealthpermits.services.zh.ch%2F\">elektronische Bewilligung<\/a> im Gesundheitswesen, mit der Leistungserbringerinnen und -erbringer ihre Gesuche k\u00fcnftig online einreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Update November 2025:<\/h4>\n<p>Mit einem Gesetzesprojekt soll das elektronische Patientendossier zum <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/elisabeth-baume-schneider-neues-e-gesundheitsdossier-kommt-542337171562\">elektronischen Gesundheitsdossier umgewandelt<\/a> werden. Das Dossier soll landesweit <span class=\"HtmlText_root__A1OSq\">zum Standard werden. Die Teilnahme bleibt freiwillig, jedoch mit einer Opt-out-L\u00f6sung: Wer kein Dossier will, muss sich aktiv dagegen wehren. Bei neugeborenen Kindern wird zum Beispiel gleich nach der Geburt eine elektronische Gesundheitsakte er\u00f6ffnet \u2013 es sei denn, die Eltern melden innert 60 Tagen Widerspruch ein. Das neue Gesundheitsdossier soll 2030 eingef\u00fchrt werden. Der Bundesrat \u00fcberreichte den <a href=\"https:\/\/www.bag.admin.ch\/de\/epd-weiterentwickeln-totalrevision#Das-Wichtigste-im-%C3%9Cberblick\">Gesetzesentwurf E-GD<\/a> am 5. November 2025 dem Parlament.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em>Blogposts direkt in die Inbox erhalten? <a href=\"https:\/\/web.swissnewsletter.ch\/e\/8701c9de30ebc427\/de\/form\/ec3745ce-01ea-47b1-b7bc-e83ee5822084.html\">HIER<\/a> k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr unseren Newsletter anmelden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bild: Mangadarstellung via Perplexity<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Schweizer Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung voran, wenn auch gem\u00e4chlich. Optimierungen im Datenaustausch sollen die Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern f\u00f6rdern und die Gesundheitsversorgung st\u00e4rken. 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