{"id":348972,"date":"2025-08-20T14:51:21","date_gmt":"2025-08-20T14:51:21","guid":{"rendered":"https:\/\/publicsector.ch\/?p=348972"},"modified":"2025-08-20T14:51:21","modified_gmt":"2025-08-20T14:51:21","slug":"risiko-wasserknappheit-regelungen-fuer-den-krisenfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publicsector.ch\/en\/risiko-wasserknappheit-regelungen-fuer-den-krisenfall\/","title":{"rendered":"Risiko Wasserknappheit: Regelungen f\u00fcr den Krisenfall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Haushalte und Gewerbe verbrauchen j\u00e4hrlich Wasser im Volumen des Bielersees. Das blaue Gold gilt in der Schweiz als unersch\u00f6pfliche Ressource. Gleichwohl h\u00e4ufen sich Berichte \u00fcber Versorgungsengp\u00e4sse nach Phasen grosser Trockenheit. Haben die Haushalte Anspruch auf Trinkwasser und was gilt, wenn dieses fehlt?<\/strong><\/p>\n<p>von <strong>Philipp do Canto<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz versorgt heute 9 Millionen Menschen \u00fcber ihre \u00f6ffentliche Wasserversorgung. Die privaten Haushalte verbrauchen durchschnittlich 142 Liter pro Person und Tag. Zusammen mit Industrie, Landwirtschaft und Gewerbe kommen wir auf einen Gesamtverbrauch von 163 Litern pro Person und Tag. Die Schweiz leert j\u00e4hrlich einen Speicher von der Gr\u00f6sse des Bielersees.<\/p>\n<p>Eine gute Nachricht vorweg: Trotz dieses Volumens werden vom Oberfl\u00e4chen- und nutzbaren Grundwasser gerade einmal 1,5% gebraucht. Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber immense <a href=\"https:\/\/www.svgw.ch\/de\/wasser\/kommunikationstools\/wasserversorgung\/nutzung\/\">Wasserreserven<\/a>.<\/p>\n<p>Dann eine Nachricht, die f\u00fcr uns gut sein mag, f\u00fcr andere aber nicht: Unser Wasserverbrauch sinkt trotz Bev\u00f6lkerungswachstum. Einerseits schonen wir die Ressourcen besser als fr\u00fcher \u2013 Beispiel \u00d6kofunktion im Geschirrsp\u00fcler. Anderseits haben wir intensive T\u00e4tigkeiten wie Fleischproduktion oder Kleiderherstellung ins Ausland ausgelagert, wo dann die entsprechenden Zusatzmengen verbraucht werden.<\/p>\n<h4>Trockene Brunnen im Wasserschloss<\/h4>\n<p>Schliesslich die schlechte Nachricht: Trotz schier unersch\u00f6pflichen Reserven h\u00e4ufen sich Situationen von Wasserknappheit. Kurzfristige Verbote zur Wasserentnahme aus B\u00e4chen und Fl\u00fcssen haben <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/kanton-aargau-besorgt-wasser-wird-knapper\">stark zugenommen<\/a>.\u00a0 In der <a href=\"https:\/\/www.nyon.ch\/actualites\/la-municipalite-impose-des-mesures-deconomie-deau-potable-a-la-population-et-a-linterne-de-son-administration-14084\">Westschweiz<\/a> wird das Verbot, im Sommer den Garten zu bew\u00e4ssern, zur Gewohnheit.\u00a0Entnahmestopps dauern zudem immer l\u00e4nger und betreffen nicht mehr nur den Hochsommer, sondern k\u00f6nnen bis im November anhalten.<\/p>\n<p>Die Evidenz zeigt, dass Beschr\u00e4nkungen in der Schweiz in den letzten 20 Jahren h\u00e4ufiger, l\u00e4nger und grossfl\u00e4chiger geworden sind. War der Sommer 2003 noch ein Ausnahmeereignis, gilt <a href=\"https:\/\/map.geo.admin.ch\/#\/map?lang=de&amp;center=2702290.26,1219773&amp;z=6.186&amp;topic=ech&amp;compareRatio=0.435&amp;layers=ch.swisstopo.swisstlm3d-karte-grau,,0.8;WMS%7Chttps:\/\/wms.geo.admin.ch\/?item=2024-04-05t101559%7Cch.swisstopo.swisseo_s2-sr_v100@item=2024-04-05t101559;WMS%7Chttps:\/\/wms.geo.admin.ch\/?\">Trockenheit<\/a> heute als wiederkehrende Bedingung. Vor allem f\u00fcr die Landwirtschaft ist das eine bedrohliche Entwicklung. Betroffene wehren sich gegen Verbote (Allgemeinverf\u00fcgungen) mit verwaltungsrechtlichen Beschwerden. Trockene Brunnen in der Schweiz: Wie passt das zum Bild vom Wasserschloss?<\/p>\n<h4>Infrastrukturkosten und administrative H\u00fcrden<\/h4>\n<p>Die Antworten liegen in der Infrastruktur und dem Versorgungsrecht. Die Herausforderung liegt nicht in der Knappheit, sondern in der Verteilung und dem Management der Wasserressourcen. Das \u00f6ffentliche Leitungsnetz f\u00fcr Trinkwasser umfasst 90&#8217;000 Kilometer. Der Wiederbeschaffungswert der gesamten Wasserversorgungsinfrastruktur liegt laut einer <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/wasser\/externe-studien-berichte\/auswirkungen-des-klimawandels-auf-die-wasserwirtschaft-der-schweiz.pdf.download.pdf\/Auswirkungen_Klimawandel_Wasserwirtschaft.pdf\">Studie des BAFU<\/a> bei 59 Milliarden Franken.<\/p>\n<p>Investitionen von Zweckverb\u00e4nden in neue Anlagen kosten enorme Summen und brauchen die Zustimmung der Gemeindeversammlung \u2013 Stichwort obligatorisches Finanzreferendum. Hinzu kommen die planungsrechtlichen Verfahren. Deshalb sind nicht nur die Leitungen lang, sondern auch die administrativen Abl\u00e4ufe. Gerade kleine Gemeinwesen stossen an ihre Grenzen. So kann es kommen, dass das Wasser bei Engp\u00e4ssen nicht mehr ausreicht.<\/p>\n<h4>Solidarit\u00e4t und Redundante Versorgungssysteme<\/h4>\n<p>Bund und Kantone schauen der Entwicklung indes nicht tatenlos zu. Auf Bundesebene gilt die <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2020\/666\/de#fn-d7e415\">Verordnung<\/a> \u00fcber die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Notlagen (VTN). Die Verordnung \u00fcberbindet einen Versorgungsauftrag in Mangellagen an die Kantone. Diese delegieren den Auftrag in ihren Wassergesetzen an die Gemeinden (exemplarisch: <a href=\"https:\/\/faolex.fao.org\/docs\/pdf\/swi151797.pdf\">Wasserversorgungsgesetz<\/a> Basel-Landschaft). Die Sicherheit der Versorgung muss folglich auch in Mangellagen gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n<p>Wie werden Krisen bew\u00e4ltigt? Hier gilt zun\u00e4chst das Solidarit\u00e4tsprinzip. Bei Wasserknappheit besteht eine Abgabepflicht zwischen den kommunalen Zweckverb\u00e4nden. Wasser, das der eine Versorger nicht ben\u00f6tigt, muss an die Mangel leidende Gemeinde verkauft werden. Damit keine Zisternenwagen von einer Gemeinde zur andern fahren, m\u00fcssen die Versorger redundante Systeme bauen. Jede Wasserversorgung soll ihren Bedarf aus mindestens zwei voneinander unabh\u00e4ngigen Wasserressourcen decken k\u00f6nnen. Mithin muss jeweils eine ausreichende Zweiteinspeisung, also <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/wasser\/ui-umwelt-info\/sichere_wasserversorgung2025.pdf.download.pdf\/sichere_wasserversorgung2025.pdf\">Redundanz<\/a>, bestehen. Was ganz einfach klingt, ist in der <a href=\"https:\/\/www.plattformj.ch\/artikel\/176733\/\">Praxis<\/a> eine Herausforderung.<\/p>\n<p>Grundlage f\u00fcr die redundanten Systeme sind die Regionalen und Generellen <a href=\"https:\/\/www.zh.ch\/de\/umwelt-tiere\/wasser-gewaesser\/wasserversorgung.html\">Wasserversorgungsplanungen<\/a> der Kantone (RWP\/GWP), welche Szenarien f\u00fcr Normalbetrieb, Spitzenbetrieb und den St\u00f6rfall umfassen sowie Massnahmen f\u00fcr die langfristige Versorgungssicherheit definieren. Der Bund baut zudem mit der nationalen <a href=\"https:\/\/www.trockenheit.admin.ch\/de\">Trockenheitsplattform<\/a> ein Fr\u00fchwarnnetz auf.<\/p>\n<h4>Sind die Versorgungsnetze fit f\u00fcr das neue Klima?<\/h4>\n<p>Die Krux bei der Redundanz: Sinkt bei grosser Trockenheit der Wasserstand z.B. in Konolfingen BE, dann wird auch das benachbarte Oberh\u00fcnigen unter Stress stehen (die Namen sind zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt und sagen nichts aus \u00fcber die Qualit\u00e4t der Wasserversorgung). Im <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/wasser\/externe-studien-berichte\/trockenheit-im-sommer-2022-befragung-der-kantonalen-gewaesserschutz-und-fischereifachstellen-zu-auswirkungen-und-massnahmen.pdf.download.pdf\/Trockenheit_2022_Befragung_Kant_Fachstellen.pdf\">Bericht zur Trockenheit<\/a> im Sommer 2022 stellt das BAFU n\u00e4mlich fest, dass fast alle Kantone von Problemen betroffen waren. Stehen beide Speisungen auf Tiefstand, ist Redundanz somit keine langfristige L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Insgesamt sind also die Ressourcen vorhanden. F\u00fcr die Zukunft, die bereits begonnen hat, liegt der Fokus auf der optimalen Verteilung in Krisensituationen. Expertisen fordern angesichts der zunehmenden Trockenphasen in der Schweiz eine verst\u00e4rkte regionale Koordination, eine beschleunigte Vernetzung zwischen Versorgern und weitere pr\u00e4ventive Massnamen. Kluge \u00f6ffentlich-rechtliche Vertr\u00e4ge und sparsamer Umgang mit Wasser spielen f\u00fcr die Zukunft eine grosse Rolle. Doch auch die Investitionsbereitschaft der Gemeinden und schlanke Verfahren sind gefragt.<\/p>\n<p><em>Image credit: Swisstopo\/Copernicus<\/em><\/p>\n<p><em>Blogposts direkt in die Inbox erhalten? <a href=\"https:\/\/web.swissnewsletter.ch\/e\/8701c9de30ebc427\/de\/form\/ec3745ce-01ea-47b1-b7bc-e83ee5822084.html\">HIER<\/a> k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr unseren Newsletter anmelden.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haushalte und Gewerbe verbrauchen j\u00e4hrlich Wasser im Volumen des Bielersees. Das blaue Gold gilt in der Schweiz als unersch\u00f6pfliche Ressource. Gleichwohl h\u00e4ufen sich Berichte \u00fcber Versorgungsengp\u00e4sse nach Phasen grosser Trockenheit. 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